Es ist nicht auf Facebook, also ist es nicht geschehen!

Unfassbar eigentlich, wie viele Menschen jetzt just nach dem Jahreswechsel sportlich geworden sind. Zumindest ist dies der Fall, wenn man den unzähligen Posts auf Facebook glaubt.

„Heinzi XY hat gerade eine runtastische Laufaktivität begonnen!“

Aha.

„Tussi XY hat … km in … Minuten zurückgelegt, dabei … Kalorien verbrannt.“

Aha.

„Feeling pumped/happy/super happy/even more happy than the other bitch I don’t like/burned more calories than you – you suck/etc.
Diese wichtige Angabe darf man ja in seiner Statusnachricht auf keinen Fall vergessen. Schande über jene, die nicht angeben, wie sie sich nach ihrem bombigen 30 Minuten Run fühlen!
Selbstverständlich verfolgt man diese Posts als trainierende Person mit – zur Belustigung und gleichzeitig zur Selbstgeißelung. Letzteres trifft wohl vor allem auf die Phase zu, in der man im Grundlagenbereich trainiert. Da posten diverse Damen, die man tendenziell als unsportlich eingestuft hatte, plötzlich die Aufzeichnungen ihrer Läufe, die sie mit einer Pace von 6 Min./km zurückgelegt haben. Was ist da los???
Wenn man Glück hat, trifft man sie dann auch noch auf der Laufstrecke – von Kopf bis Fuß in Adidas gestyled, sogar die Uhr scheint farblich auf das restliche Outfit abgestimmt zu sein. Zügig tänzeln sie dann dahin … wie Gazellen (ok, leicht dickliche Gazellen, aber wie Gazellen!). Man selbst watschelt dagegen im GA1-Bereich herum, in meinem Fall bedeutet dies eine Pace von ca. 8 Min./km. Klingt komisch, ist aber so. Damals, also daaaaamals, als ich die Sinnhaftigkeit von ausgeprägtem Grundlagentraining noch nicht verstanden hatte (oder einfach konsequent ignoriert… kann auch gut sein … Hockey-Chick eben), gab es fast jedes Training nur im Renntempo. Volles Programm aber tendenziell einfach irgendwie und irgendwie ohne Plan. Hauptsache schnell und vor allem schneller als die anderen, die man so trifft und sich dann beim Überholen geil fühlen (für’s Ego und so).
Jetzt eiert man eben im GA1-Bereich dahin, sein Stündchen oder 1,5 und wird jetzt selbst überholt. Na toll. Das ist schon mal gewöhnungsbedürftig und dann schaut man an sich hinab und checkt sein Laufoutfit:

Jacke – noch vom Eishockey, verwaschen und zu groß
Shirt drunter – noch vom Eishockey, verwaschen, war mal eng aber mittlerweile zu groß
Laufhose – irgendwann mal günstig bei einem Diskonter erstanden, weil die gute von „Skinfit“ will man beim GA1-Training und bei Tauwetter im Wald ja nicht nehmen – wird ja nur schmutzig!
Laufschuhe – ui, die sind super! Asics Nimbus olé olé! (passen farblich aber nicht zum Rest)

Was soll ich da also posten?
Feeling uaaaahwaaaahbääääh-cause-could-not-beat-this-other-bitch-who-was-also-wearing-the-better-outfit-cause-I-had-to-stick-to-my-training-of-basic-endurance-and-seriously-who-the-hell-cares?
(btw: würde zu “uaaaahwaaaahbääääh” gerne mal das korrespondierende Smiley sehen)

Also poste ich nix, was automatisch impliziert, dass ich nicht trainiert habe. Geil eigentlich! Da freu ich mich wieder auf die Rennen im Sommer, bei denen ich dann folglich untrainiert antrete, denn was nicht auf Facebook zu lesen ist, ist ja de facto auch nicht passiert.

Und ich komm dann auch noch in den geilen Outfits!